Unsere Welt im Allgemeinen ist schnelllebig, Marketing erst recht.
Dauernd ändern sich Anforderungen, weil der Kunde eine neue Idee hat, weil es ein neues Tool gibt oder weil die letzten Marketing-Analyse-Ergebnisse einen Strategiewechsel nahelegen.
Fühlst Du Dich auch manchmal damit überfordert und hast das Gefühl, dass Dir die Fäden aus der Hand gleiten?
Nach meiner Erfahrung gibt es nun zwei Typen von Unternehmen:
- Die einen versuchen mit noch mehr Planung, dem Problem Herr zu werden, verschenken damit wertvolle Zeit und werden trotzdem nicht glücklich damit.
- Die anderen haben einfach gar kein Projektmanagement und versinken damit schnell im Chaos. Manche nennen das dann „agil“, was aber damit nicht das Geringste zu tun hat.
In diesem Artikel möchte ich Dir einige Ideen zu agilen Methoden im Marketing mitgeben, die Dich in die Lage versetzen, flexibel, schnell und mit Struktur Deine Projekte umzusetzen.
Kein Chaos mehr im Unternehmen mit agilen Methoden im Marketing.
Was bringt‘s?
Du kennst das sicher und hast es bis heute in Deinem Unternehmen auch ohne agile Methoden irgendwie auf die Reihe gekriegt. Wozu nun also das Ganze?
Agile Methoden können Dir das Leben leichter machen, Struktur ins Chaos bringen und Dir trotzdem jede Menge Flexibilität und Geschwindigkeit verleihen, um Marktchancen optimal zu nutzen.
Klingt gut, oder?
Was aber genau ist denn nun mit diesem Buzzword „Agilität“ gemeint?
Sollte ich Agilität in einem Satz beschreiben, dann würde ich sagen „Agilität ist die Fähigkeit, schnell und flexibel auf Änderungen reagieren zu können und sich dabei kontinuierlich zu verbessern.
Für Unternehmen in der Marketing Branche: Agil in einem Satz erklärt.
Die Ergebnisse sind:
- Mehr Kontrolle
- Bessere Produktivität
- Bessere Qualität
- Höhere Kundenzufriedenheit
- Schnellerer ROI
So geht’s
Das schaffst Du, indem Du nicht Dein komplettes Projekt detailliert im Voraus planst, sondern immer nur den nächsten Schritt.
Je weiter die Umsetzung der Anforderung in der Zukunft liegt, desto gröber die Planung.
Je näher Du an die Umsetzung kommst, desto detaillierter kannst Du strukturieren.
Das hat mehrere Vorteile:
- Du verschwendest am Anfang des Projekts nicht zu viel Zeit mit Planung
- Du weißt mehr über die jeweilige Anforderung, weil Du in dem Projekt und mit dem Kunden schon Erfahrungen gesammelt hast
- Du kannst deshalb dann genauer planen, weil Dir mehr Informationen vorliegen
- Du kannst jederzeit einfach Anpassungen vornehmen, sei es, weil der Kunde oder Du eine neue Idee hatte oder sich Umgebungsbedingungen geändert haben
Im Grunde liegt es Dir wie den meisten Menschen im Blut, in diesem Sinne agil zu handeln. Im „normalen Leben“ planst Du auch nicht erst jedes Detail, bevor Du loslegst.
In Unternehmen hat sich zumindest in der Vergangenheit eher eine andere Kultur entwickelt. Man war der Meinung, dass genauere Planung im Voraus mehr Sicherheit bringt. Da, wie Du schon weißt, aber am Anfang des Projekts die Unsicherheit am größten ist, ist eher das Gegenteil der Fall.
Vielleicht liegt gerade uns Deutschen auch besonders dieser Hang zur Exaktheit und möglichst ausgereifter und detaillierter Planung im Blut. Besser laufen wird Dein Projekt damit nicht.
Lass Dich inspirieren, auch im Business Agilität als Grundprinzip zu leben!
Agil nicht nur auf dem Board, sondern auch im Marketing Business!
Agilität im Marketing?
Sind agile Methoden nicht nur was für Software-Entwicklung? Das ist ein weit verbreitetes Vorurteil, welches ich gern widerlegen möchte.
Richtig ist, dass agile Methoden, insbesondere Scrum, ihren Ursprung in der Software-Entwicklung haben.
Du kannst sie aber für beinahe jedes andere Projekt einsetzen, was in der Zwischenzeit auch schon viele Unternehmen erfolgreich machen.
Besonders geeignet sind agile Methoden für digitale Produkte, demnach auch für das Marketing Business.
Warum?
Weil Du digitale Produkte viel leichter kurzfristig anpassen kannst als physische Produkte.
Unter Produkten verstehe ich in diesem Kontext auch Dienstleistungen – ich werde aber immer nur vom „Produkt“ sprechen.
Beispiele für agile Projekte im Marketing:
- Digitalisierungsstrategie entwickeln und umsetzen
- Unternehmenswebsite entwickeln
- Website/Webshop auf neue Plattform migrieren
- Online Marketing Konzept entwickeln und umsetzen
- Online Auftritt Optimierung
- Online Plattform für Fortbildung im Unternehmen entwickeln
Am Anfang steht die Vision bei agilen Projekten im Marketing.
Allen Beispielen gemeinsam ist die Tatsache, dass Du am Anfang des Projekts eine grobe Vision von dem gewünschten Ergebnis hast, es aber noch nicht in allen Details kennst.
Auch die einzelnen Schritte, mit denen Du zu diesem Ergebnis kommst, sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar.
Das sind ideale Voraussetzungen, um Dein Projekt agil anzugehen.
Iteratives Vorgehen
Ein Grundprinzip von agilen Methoden ist eine kontinuierliche Feedback-und Verbesserungsschleife.
D.h. einzelne Projektschritte werden im immer gleichen Ablauf mehrfach durchlaufen und so aus Erfahrungen gelernt und an die nächste Projektphase (in Scrum Sprint genannt) adaptiert.
Stell Dir z.B. einen Surfer vor, der auf seinem Board hinaus paddelt und die perfekte Welle sucht.
Kann dieser die nächste Stunde genau planen? Nein, nicht mal die nächsten 5 Minuten.
Er ist davon abhängig, was die Umgebungsbedingungen bieten und wie gut er gerade in dem Moment darauf reagieren kann. Erste Welle nicht erwischt? Die nächste Chance kommt und er versucht es vielleicht mit einer leicht angepassten Technik.
Kontinuierliche Feedback-und Verbesserungsschleife, richtig?
Auf ein agiles Projekt bezogen heißt das, dass Du die typischen Phasen, auch als PDCA bekannt, immer wieder durchläufst.
Bei diesen Phasen handelt es sich um die Folgenden:
- Plan (Planen)
- Do (Umsetzen)
- Check (Testen und Feedback)
- Act (Anpassen der nächsten Schritte)
Iteratives Vorgehen in einem agilen Projekt: PDCA.
Inkrementelles Vorgehen
Ein anderes wichtiges Grundprinzip agiler Projekte ist das inkrementelle Vorgehen, was, wenn Du das Wörterbuch fragst, soviel wie „schrittweise“ und „aufeinander aufbauend“ bedeutet.
Bei der Produktentwicklung heißt das konkret, dass Du versuchst, dem Kunden möglichst frühzeitig eine Minimalversion des Produkts zur Verfügung zu stellen.
In agiler Sprache heißt das „MVP“ und steht für „minimal viable product“, was soviel heißt wie „minimal nutzbares Produkt“.
Die Betonung liegt auf „nutzbar“, Dein Kunde sollte natürlich schon etwas mit dieser frühen Produktversion anfangen können.
Jetzt denkst Du Dir vielleicht, „Damit mag ich nicht rausgehen, das ist noch nicht fertig.“
Und Du hast Recht damit, dass es nicht fertig ist. Aber, wann ist denn ein Produkt jemals fertig?
Du entwickelst es doch im Normalfall immer weiter, bis Du das Produkt mal irgendwann einstampfst. Die Frage ist also nur, ist es so weit, um damit zu starten.
Und hier kommt Dir wieder das Wesen des digitalen Produkts entgegen. Du kannst jederzeit ein Update hinterherschicken und die Funktionen erweitern.
Iteratives Vorgehen mit Stein auf Stein.
Nimm das Beispiel „Online Plattform für die Weiterbildung im Unternehmen“ entwickeln.
Hier startest Du vielleicht als MVP-Version nur mit einer einfachen Plattform, in welcher alle verfügbaren internen Schulungen manuell eingegeben werden müssen und die Mitarbeiter all diese Angebote sehen und Schulungen buchen können.
Selbst die Emailbestätigung könnte am Anfang noch manuell erfolgen.
Das erweiterst Du dann Schritt für Schritt mit zusätzlichen Features wie:
- Kategorisierung und Filter
- Verschiedene Suchfunktionen nach Thema/Termin/Trainer
- Anbindung externer Schulungsanbieter
- Freigabe-Prozess
- Belegungsübersicht
- und vieles mehr
Dieses agile Vorgehen hat mehrere Vorteile:
- Du bist schnell auf dem Markt bzw. kannst Deinem Kunden schnell eine Lösung liefern.
- Du sammelst sehr früh Nutzerfeedback
- Du sammelst technische Erfahrungen
- Damit läufst Du nicht in die falsche Richtung bzw. kannst früh gegensteuern
- Du verdienst (je nach Geschäftsmodell) früher Geld
- Die frühe Marktreife bietet Deinem Unternehmen großartige Marketing-Chancen als Innovator oder zumindest Early Adapter.
So wachsen die 3 Säulen Deines Marketing Business
Durch den Einsatz agiler Methoden kannst Du die drei wichtigsten Säulen Deines Marketing Business positiv beeinflussen und voranbringen:
- Dein Produkt
- Deinen Kunden
- Dein Team
So wachsen die drei Säulen Deines Marketing Business mit agilen Methoden.
Produkt
Durch agile Methoden mit ihren schon vorher beschriebenen Prinzipien des iterativen, inkrementellen Vorgehens, kannst Du Dein Produkt schneller auf den Markt bringen und flexibel an die Bedürfnisse des Kunden/Nutzers anpassen.
Dadurch bist Du schneller als die Konkurrenz und hast das qualitativ bessere Produkt, da Du frühzeitig Kundenfeedback und eigene Erfahrungen in die Entwicklung einfließen lässt.
Kunde
Dein Kunde ist während des gesamten Prozesses eng in das Projekt eingebunden. Er bekommt schnell Ergebnisse und kann Änderungswünsche und neue Ideen einfließen lassen. Die Denkweise Deines Teams ist auf die Kundenbedürfnisse fokussiert. Du lernst, Deinen Kunden besser zu verstehen und beschreibst Anforderungen nicht aus funktionaler, sondern aus Nutzersicht. So kannst Du Deine Marketingziele bzw. die Deines Kunden besser erreichen.
Team
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil und großer Erfolgsfaktor von agilen Arbeiten sind crossfunktionale, selbstorganisierte Teams. Darauf gehe ich später noch genauer ein.
An dieser Stelle möchte ich als Argument stehen lassen, dass Mitarbeiter in selbstorganisierten, agilen Teams zufriedener und motivierter sind. Es herrscht eine wertschätzende Arbeitsatmosphäre und offene Fehlerkultur. Die Teammitglieder empfinden ihre Arbeit als sinnstiftend und bedeutsam und sind damit wiederum für das Unternehmen besonders wertvoll.
Kurzer Überblick über agile Methoden
Hier möchte ich Dir kurz die drei bekanntesten agilen Arbeitsmethoden vorstellen. Ich beschreibe kurz, wie sie funktionieren und für welche Projekte sie besonders geeignet sind.
- Scrum als Mittel der Wahl für die schnelle Entwicklung marktreifer, komplexer Produkte
- Kanban für Prozessoptimierung
- Design Thinking zur Ideenfindung und -bewertung
Scrum
Scrum ist zweifellos die am weitesten verbreitete Methode. Laut der Studie „Status Quo (Scaled) Agile 2020“ der Hochschule Koblenz, ist Scrum mit 84% der meistgenutzte agile Ansatz auf Teamebene gefolgt von Kanban, DevOps, Lean und Design Thinking.
Scrum ist ein Rahmenwerk zur Entwicklung, Lieferung und Wartung komplexer Produkte und setzt auf iterativ-inkrementelles Vorgehen und legt den Fokus auf Kundenbedürfnisse.
Ein Erfolgsfaktor ist die frühe Auslieferung eines MVP (minimal viable product), was einen echten Wettbewerbsvorteil bringt.
Scrum ist keine Prozessvorgabe, sondern stellt ein paar grundsätzliche Spielregeln auf, die jedes Team für sich interpretieren und auf konkrete Arbeitsabläufe anwenden kann.
Der Scrum Prozess als agiles Framework.
Sprint
Basis von Scrum sind die sogenannten „Sprints“, so bezeichnet man einen Projektzyklus, der eine Dauer von 2 bis 4 Wochen hat. Am Ende eines Sprints steht immer eine Produktlieferung.
Wobei das nicht zwingend eine Auslieferung zum Endkunden (Nutzer) bedeuten muss. Das ist insbesondere am Anfang des Projekts, solange man noch kein MVP (minimal viable product) hat, der Fall. Zumindest soll die neue Funktion/erreichte Arbeit am Ende des Sprints den Stakeholdern gezeigt und von ihnen Feedback eingeholt werden.
Rollen
Scrum arbeitet mit verschiedenen Rollen:
- Scrum Master
- Product Owner
- Entwicklungs-/Umsetzungsteam.
Diese 3 Rollen bilden das agile Scrum-Team. Alle anderen Beteiligten befinden sich außerhalb dieses Teams, z.B. die verschiedenen Stakeholder.
Der Product Owner ist vergleichbar mit dem im Marketing bekannten Produktmanager.
Eine Besonderheit ist, dass das Entwicklungs-und Umsetzungsteam crossfunktional ist und selbstorganisiert arbeitet. Es gibt keine Hierarchie im Projektteam.
Eine Projektmanagerrolle ist nicht vorgesehen, Scrum Master und Product Owner teilen sich die organisatorischen Aufgaben. Oft gibt es einen Projektmanager außerhalb des Scrum Teams, gerade wenn sich ein Projekt über verschiedene Teams erstreckt.
User Stories, die Anforderungen bei Scrum
Anforderungen werden in Scrum in Form von User Stories erstellt, die, im Unterschied zu der klassischen Anforderung, Nutzersicht und Kundenbedürfnisse im Vordergrund hat.
Es geht darum, zu beschreiben: „Was will der Kunde warum mit meinem Produkt machen“ und nicht „Baue Button x in Formular y“.
Mit User Stories als agile Form der Anforderung die Sicht des Kunden einnehmen. Gerade im Marketing ein entscheidender Aspekt.
Mit dem User Story Prinzip arbeitest Du auf allen Detail-Leveln, angefangen bei der Beschreibung der Produkt-Vision bis hin zu kleinen Funktionen.
Gesammelt werden diese User Stories im sogenannten Product Backlog und dort vom Product Owner priorisiert. Alle Stories, die im aktuellen Sprint umgesetzt werden, wandern am Anfang des Sprints ins Sprint Backlog.
Während des Sprints organisiert man die User Stories auf einem Sprint Board, wo sie über verschiedene Status von „Bereit zur Umsetzung“ bis hin zu „Fertig“ wandern.
Scrum Events
Das sind im Grunde regelmäßige Meetings, die regelmäßig ausgeführt werden und jeweils einem bestimmten Zweck dienen.
Diese Scrum Events gibt es:
- Daily (kurzes Meeting zur täglichen Abstimmung)
- Sprint Planning (Was wird im nächsten Sprint umgesetzt?)
- Sprint Review (Die Ergebnisse werden den Stakeholdern präsentiert und Feedback eingeholt)
- Sprint Retrospektive (Dient der Verbesserung der Arbeitsweise durch Learnings aus dem letzten Sprint)
Wofür geeignet?
Scrum kannst Du sehr gut für die agile Entwicklung von Produkten einsetzen, besonders für digitale Produkte.
Wenn das Projekt so komplex ist, dass weder Ziel noch der Weg dahin vorher genau bekannt sind und der Umfang so groß, dass sich das Projekt über mehrere Monate hinzieht, ist Scrum eine super Wahl. Mit Scrum kannst Du sehr gut innovative Marketing-Projekte umsetzen und Dir das Prinzip des frühen Fehlers und Lernens zu Nutze machen.
Scrum entfaltet sein volles Potential in kleinen Teams bis zu 10 Personen. Allein macht es wenig Sinn und bei größeren Teams wird die Umsetzung schwierig. Dann solltest Du über eine Team Aufteilung nachdenken. Es gibt in Scrum auch verschiedene Skalierungsmodelle, um die Arbeit mit mehreren agilen Teams zu organisieren.
Skalierung spielt in Marketingprozessen eine wichtige Rolle. In unserem Artikel findest Du ausführliche Informationen zum Thema:
Beispiel Marketing
Neue Unternehmenswebpräsenz gestalten und umsetzen.
Kanban
Kanban ist eine agile Methode zur Prozess-Steuerung, bei der die Anzahl der parallel verlaufenden Aufgaben begrenzt wird und Engpässe schnell sichtbar werden.
Auch bei Kanban arbeitet man mit einem Board ähnlich dem Sprint-Board in Scrum, auf dem alle Aufgaben durch die verschiedenen Status wandern. Die Anzahl und Art der Arbeitsschritte kannst Du frei nach Bedarf definieren.
Wichtig ist, dass für jeden Schritt ein Aufgaben-Limit definiert wird, z.B. max. drei Tasks bei der SEO-Analyse.
Diese Denkweise mag zwar auf den ersten Blick seltsam klingen, ergibt aber durchaus Sinn:
- Du erkennst schnell, bei welchem Prozess-Schritt es Engpässe gibt.
- Wenn alle Schritte langsamer, aber dafür gleichmäßig laufen, bist Du im Ergebnis schneller, als wenn es „Nadelöhre“ gibt. Denk an den Stau, wenn der Verkehr insgesamt etwas langsamer fließt, kommst Du schneller und ohne Stau ans Ziel. Nach diesem Prinzip arbeiten die Verkehrsleitsysteme.
- Du kannst Deinen Prozess jederzeit einfach optimieren. Z.B. das Team für bestimmte Prozess-Schritte aufstocken, den Schritt selbst verändert, neue Schritte einfügen usw.
Ein einfaches Kanban-Board, eine gute Vorlage für ein agiles Marketing Projekt.
Wofür geeignet?
Die agile Methode Kanban kannst Du gut für regelmäßige Prozesse einsetzen, wie z.B. im Marketing die regelmäßige SEO-Analyse und Seitenoptimierung für einen Kunden.
Auch gut geeignet ist Kanban für eine Produktentwicklung, die nicht inkrementell ist, weil sie genau einmal ausgeliefert wird, z.B. die Planung eines Events.
Kanban kannst Du sowohl als Team als auch als Einzelperson nutzen, um Dich und Deine Arbeit gut zu organisieren und Dich nicht in zu vielen Aufgaben zu verlieren.
Beispiel Marketing
- Produkt-Launch planen und durchführen.
- Podcast betreiben.
- YouTube Kanal regelmäßig bedienen
Design Thinking
Design Thinking ist ein agiler, iterativer Kreativitätsprozess und wird hauptsächlich zur Ideenfindung und -validierung verwendet.
Lösungen und Ideen werden möglichst frühzeitig in Form von Prototypen umgesetzt, um frühzeitig echtes Nutzer- und Kundenfeedback zu bekommen.
Somit kannst Du die agile Methode Design Thinking auch zur Entwicklung physischer Produkte einsetzen, was aber im Marketing wahrscheinlich kaum vorkommt.
Du gehst mit einem möglichst multidisziplinären Team an die Ideenfindung, gern auch mit Personen, die gar nichts mit Deinem Thema zu tun haben. Gerade zum Finden von innovativen Ideen ist manchmal ein laienhafter Blick von außen mit einer unvoreingenommenen Denkweise ein echter Erfolgsfaktor.
Du durchläufst ähnlich wie bei Scrum einen iterativen Prozess, nur dass hier die Zeiträume nicht fix sind. Wenn ein Schritt abgeschlossen ist, folgt der nächste und wird so lange wiederholt, bis Du mit dem Ergebnis zufrieden bist.
Es gibt Schritte, die Du nicht zwingend immer durchlaufen musst:
1. Empathize
Wörtlich übersetzt „Einfühlen“. Du versuchst Deinen Kunden zu verstehen, durch Interviews, das Erstellen eines Avatars oder dergleichen
2. Define
Definiere möglichst genau das Problem des Kunden/Nutzers, welches Du lösen möchtest.
3. Ideate
Das ist die Brainstorming-Phase, wo Du Deiner Fantasie freien Lauf lassen kannst. Hier generierst Du möglichst viele, unterschiedliche Ideen. Ganz egal, wie sinnvoll sie auf den ersten Blick erscheinen.
4. Prototype
Die vielversprechendste Idee wandelst Du in einen Prototype um. Theoretisch können es auch mehrere sein, weil sich das gerade bei digitalen Produkten nicht so aufwändig gestaltet. Hier solltest Du allerdings nicht zu viel Aufwand betreiben. Mach es so einfach wie möglich, um ein Feedback zu bekommen.
5. Test
Teste Deinen Prototype an echten Endkunden und hole Dir echtes Kundenfeedback.
In der nächsten Iteration steigst Du abhängig vom Feedback an der jeweils sinnvollen Prozessstelle ein. Vielleicht verbesserst bzw. veränderst Du nur den Prototype und gehst erneut in den Test. Vielleicht musst Du aber auch nochmal ins Brainstorming einsteigen oder das Kundenproblem besser definieren.
Neue, auch ausgefallene Ideen generieren mit Schwarmintelligenz…ein Innovations-Booster nicht nur im Marketing.
Wofür geeignet?
Design Thinking kannst Du wunderbar für jede Art von Ideenfindung, und ganz wichtig, Ideenvalidierung einsetzen, demnach ist es ideal für das Marketing.
Wenn Du Dich für eine Idee entschieden hast, kannst Du immer noch mit einer anderen agilen Methode – z.B. Scrum das Produkt entwickeln.
Natürlich kannst Du den Design Thinking Prozess auch sehr gut zwischendurch in jeder Projektphase einsetzen, wenn Du für ein Problem eine kreative Lösung suchst. Du kannst also auch für eine Teilfunktion mit Design Thinking eine Idee finden und prüfen, es muss nicht unbedingt das ganze Produkt sein.
Beispiel Marketing
- Entwicklung einer Online-Kampagne für neues Produkt
- Entwicklung einer neuen Form der digitalen Kunden-Interaktion
- Suche einer neuen Marketingidee zur strategischen Kundenbindung
Agile Tipps, die immer gehen
Last but not least möchte ich Dir noch einige agile Tipps an die Hand geben, die Du immer in Deinem Marketing-Unternehmen verwenden kannst, unabhängig davon, ob Du grundsätzlich mit Scrum, Kanban und Co arbeitest.
Agile Werte
Aus dem agilen Framework Scrum kommen die fünf agilen Werte:
- Offenheit/Transparenz
- Mut
- Respekt
- Fokus
- Kommittent
Das Implementieren und Leben dieser Werte tut mit Sicherheit jedem Team gut und liegt mir ganz besonders am Herzen. Damit hast Du schon sehr viel gewonnen und steigerst Motivation und Wohlfühlfaktor bei der Arbeit enorm.
Mut als einer der 5 Scrum Werte.
Crossfunktionale, selbstorganisierte Projektteams
Beim Thema „crossfunktional“ geht es darum, keine Silo-Bildung zu betreiben, sondern Mitarbeiter aus allen beteiligten Bereichen in einem Team zu vereinen. Das muss nicht räumlich an einem Ort sein. Es geht einfach darum, kurze Kommunikationswege sowie ein gemeinsames Verständnis und Ziel zu haben. Das Team hat keine Hierarchie, alle arbeiten eigenverantwortlich mit.
Außerdem zeichnet sich so ein Team durch sogenannte „T-Skills“ seiner Mitglieder aus. Das heißt, dass jeder seine Kernkompetenz (der senkrechte T-Strich) hat, aber trotzdem auch von anderen Teamaufgaben etwas versteht und diese idealerweise auch übernehmen kann (der waagerechte T-Strich).
Keine Sorge, das heißt nicht, dass jeder alles können muss. Ziel ist es, Engpässe zu vermeiden und die einzelnen Teammitglieder breiter aufzustellen. Oft ist es „Learning by doing“ im Team, wenn man z.B. eine Aufgabe mit dem Experten gemeinsam erledigt.
Davon profitieren am Ende alle, das Unternehmen und die Mitarbeiter.
Kommen wir noch zum Zauberwort „selbstorganisiert“. Welcher Chef wünscht sich das nicht?
Dabei geht es nicht darum, dass jeder macht was er will, sondern dass sich das Team und jeder einzelne zielorientiert selbst ins Projekt einbringen. Führung gibt es natürlich trotzdem, aber unterstützend und nicht befehlend.
Das erspart dem Chef das lästige Mikromanagement und ermöglicht den Mitarbeitern eine erfüllende Arbeitsweise und schafft so Motivation. Win-Win würde ich sagen.
User Stories
Wie bereits im „Scrum-Kapitel“ angeklungen, sind User Stories die Anforderung in der agilen Scrum-Welt, um kundenfokussiert zu arbeiten. Du kannst sie aber auch unabhängig davon einsetzen, eigentlich immer dann, wenn das „Wie“ der Umsetzung noch offen ist und erst während des Projekts entsteht.
Der Unterschied zwischen agiler User Story und klassischer Anforderung.
Mit User Stories beschreibst Du die Anforderung kundenfokussiert aus Nutzersicht.
„Als Rolle möchte ich Funktion, um Nutzen zu erzielen“ , ist der typische Aufbau einer User Story.
Beispiel: „Als Urlauber möchte ich mit meinem Handy schnell und einfach fremdsprachige Hinweisschilder übersetzen.“
Die Rolle kannst Du als Persona beschreiben und natürlich auch mit verschiedenen Rollen arbeiten, um die verschiedenen Sichtweisen abzudecken.
So eine Persona Beschreibung lohnt sich vor allen Dingen bei länger laufenden Projekten, um einen noch besseren Fokus auf die Kundenbedürfnisse zu bekommen.
Daily
Dieses agile Meeting Format kannst Du sowohl im Team als auch mit dem Kunden einführen.
Es findet normalerweise zu einem fixen Zeitpunkt täglich, ggf. auch jeden zweiten Tag, statt und dient dazu, sich kurz und knapp über den aktuellen Arbeitsstatus auszutauschen.
Wobei das keinesfalls ein „Statusrapport“ sein soll, sondern ein echter Austausch im Team über anstehende Aufgaben, Hindernisse und Ähnliches. Man bringt sich gegenseitig auf den neuesten Stand. Das sorgt für Transparenz und frühzeitiges Erkennen von Problemen und damit für einen echten Wettbewerbsvorteil.
Dieses Meeting ist sehr kurz, normalerweise reichen 15 Minuten. Alles was darüber hinausgeht, wird bilateral oder in einem extra Meeting geklärt.
Retrospective
Auch die Retrospective ist ein agiles Meeting Format aus Scrum, was Du wunderbar in jeder anderen Konstellation nutzen kannst. Es sollte möglichst regelmäßig stattfinden (in Scrum am Sprintende) und von allen Teammitgliedern besucht werden. Es geht darum, die Arbeit der letzten Projektphase kritisch revuepassieren zu lassen, zu lernen und zu adaptieren.
Hier steht die Arbeitsmethode im Vordergrund, nicht das Produkt.
Damit gibst Du dem Projektteam die Chance, zu reflektieren und seine Arbeitsweise eigenverantwortlich ständig zu verbessern. Dabei geht es nicht nur um Effektivität, sondern auch um persönliche Eindrücke und Arbeitsklima. In agilen Teams lebt man eine positive Fehlerkultur, wertschätzender Umgang und Verzicht auf Schuldzuweisung sind selbstverständlich.
Ein typischer Ablauf sieht wie folgt aus, ist aber nur als Vorschlag gedacht, den Du jederzeit variieren kannst:
1. Check-In
Ankommen und Aufwärmen
2. Bewertung
Jeder bewertet die letzte Projektphase nach verschiedenen Kriterien, die an einem Board stehen und jeder seine Zettel zuordnet. Du kannst z.B. drei Smileys haben (😀🤨😟) oder Kategorien wie „Mehr davon“, „Weniger davon“ „Stopp“, „Weiter nutzen“.
3. Abstimmen
Alle stimmen für ein Thema ab, welches genauer diskutiert werden soll. Das ist in der Regel ein Thema aus der negativen Kategorie, das gerade am meisten unter den Nägeln brennt.
4. Diskutieren
Das Thema mit den meisten Stimmen wird dann eine bestimmte Zeit (z.B. 20 Minuten) diskutiert und wenn möglich schon ein Verbesserungsvorschlag abgeleitet.
5. Nächste Schritte festlegen
Entweder Du hast aus der Diskussionsrunde schon einen Veränderungsvorschlag, den das Team trägt, mitgenommen und beschließt, diesen ab Zeitpunkt x (wenn möglich sofort) umzusetzen oder, wenn das nicht der Fall ist, wird festgelegt, wer das Thema weiter vorantreibt und wann man dazu ein Ergebnis haben möchte
Fazit
Du siehst, die Möglichkeiten und Varianten von Agilität im Marketing sind super vielfältig und können sowohl im Komplett-Paket als auch häppchenweise eingesetzt werden.
Auch für das Starten mit agilen Methoden empfehle ich Dir den agilen Ansatz…anfangen, lernen, anpassen.
Ich hoffe, dass ich Dir damit einige Ideen mitgeben konnte, wie Du agile Methoden in Deinem Marketing-Business nutzen kannst. Ein Versuch lohnt sich auf jeden Fall, Du wirst sehen, dass Du neben Erfolg auch viel mehr Spaß an der Arbeit hast.
Mehr Spaß an der Arbeit mit agilen Methoden im Marketing.
Weiterführende Informationen zum Artikel
Was ist Scrum? – Definition, Erklärung & Anwendung (Quelle: platri.de)
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Mehr Informationen
Ein sehr schöner Grundlagenartikel, wie agile Methoden im Marketing genutzt werden können. Daraus werde ich mir für meinen Arbeitsalltag noch die eine oder andere Anregung holen.
Danke für Dein Feedback, Martin. Freut mich sehr, dass ich Dir Inspiration auf die agile Reise mitgeben konnte. Viel Spaß dabei!